Der Luisenplatz ist der Mittelpunkt der Stadt Darmstadt. Hier laufen die wichtigsten Straßen zusammen. Der kreuzförmig gegliederte Platz gehört zur Fußgängerzone, zugleich ist er ein Knotenpunkt der Bus- und Straßenbahnlinien.
Angelegt wurde der Luisenplatz bereits im 18. Jahrhundert. Seinen Namen erhielt er allerdings erst später: Seit 1820 erinnert er an Großherzogin Luise, die Ehefrau des damaligen Regenten Ludewig I. von Hessen-Darmstadt.
Und auch des Großherzogs selbst wird an prominenter Stelle gedacht: Eine mächtige Bronzestatue des Landesherrn bekrönt die fast 40 Meter hohe Säule in der Mitte des Platzes, das "Ludwigsmonument". Ludwig I. hält in seiner rechten Hand die Verfassung, die er für die Bürger seines Großherzogtums 1820 eingeführt hat. Errichtet wurde die Säule erst einige Jahre nach Ludewigs Tod und 1844 feierlich eingeweiht. Unterhalb der Statue befindet sich eine Aussichtsplattform. Wenn Sie die 172 Stufen im Innern der Säule erklimmen, werden Sie mit einem herrlichen Blick über die innere Stadt belohnt. Die Darmstädter nennen das Ludwigsmonument übrigens "Langer Ludwig" oder - noch kürzer - "Langer Lui".
Wenn Sie sich die Gebäude rund um den Luisenplatz ansehen, werden Sie bemerken, dass die meisten aus der Nachkriegszeit stammen. Tatsächlich wurde Darmstadt in der "Brandnacht" am 11. September 1944 fast vollständig zerstört. So auch die barocken und klassizistischen Häuser, die einst den Luisenplatz säumten. Das nach alten Plänen neu gestaltete Pflaster von 1980 betont die ehemals klassizistische Struktur des Platzes.
Wieder aufgebaut wurde nur das spätbarocke Kollegienhaus an der Nordseite. Dort hat heute das Regierungspräsidium Darmstadt seinen Sitz. Direkt gegenüber liegt das Luisencenter und daneben das Darmstädter Neue Rathaus. Die zwei großen Brunnenschalen von 1908 stammen von Joseph Maria Olbrich, einem der führenden Künstler der Darmstädter Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe - einem einzigartigem Bauensemble des Jugendstils, für das Darmstadt weithin berühmt ist.
Der Darmstädter Marktplatz wurde bereits im 14. Jahrhundert angelegt und bildet noch heute ein wichtiges Handelszentrum der Stadt. An jedem Samstag füllt sich der Platz mit den bunten Ständen des Wochenmarkts. Gerahmt wird der Marktplatz von zwei historischen Bauten: An der Südseite steht das Alte Rathaus mit seinen geschwungenen Giebeln. Direkt gegenüber erstreckt sich das imposante Darmstädter Schloss.
Das Alte Rathaus wurde im Jahr 1598 erbaut. Die meisten städtischen Institutionen, die dort über Jahrhunderte untergebracht waren, sind in das Neue Rathaus am Luisenplatz umgezogen. Geblieben ist allerdings das Standesamt, das Brautpaare wegen seiner besonderen Kulisse schätzen. Und nicht zu vergessen der Ratskeller, der seine Gäste zu selbst gebrautem Bier einlädt.
Das Darmstädter Schloss ist im Laufe von sechs Jahrhunderten zu dem Bauwerk gewachsen, das Sie heute sehen. Schon im 13. Jahrhundert entstand an dieser Stelle eine erste Burg: Sie wurde im Laufe der Zeit zu einem repräsentativen Schloss ausgebaut - zunächst von den Grafen von Katzenelnbogen, seit Ende des 15. Jahrhunderts von den Landgrafen von Hessen. Die Landgrafen und später die Großherzöge von Hessen-Darmstadt residierten hier bis zum Jahr 1919. Die letzten großen Baumaßnahmen gehen auf die Barockzeit zurück. Damals beauftragte der Landgraf seinen Hofarchitekten, einen prächtigen Palast zu errichten. Das neue Schloss sollte den Vorgängerbau aus der Renaissancezeit komplett ersetzen. Doch dazu kam es aus Geldmangel nicht: Von den geplanten vier Flügeln wurden nur zwei realisiert.
In der Darmstädter "Brandnacht" vom 11. September 1944 brannte das Schloss bis auf die Außenmauern nieder. Der Wiederaufbau des bedeutenden Bauwerks dauerte bis in die 60er Jahre.
Seit 2007 hat Darmstadt ein neues Markenzeichen: das futuristische Wissenschafts- und Kongresszentrum "darmstadtium" inmitten der Stadt. Der Name der Tagungsstätte ist eine Hommage an eine sensationelle Entdeckung der Darmstädter Gesellschaft für Schwerionenforschung. Die angesehene Forschungseinrichtung entdeckte im Jahr 1994 das chemische Element 110, das - zu Ehren der Stadt - "darmstadtium" genannt wurde.
Das neue Kongresszentrum setzt mit seiner Gestaltung einen eindrucksvollen städtebaulichen Akzent. Die Außenfassade spielt gekonnt mit schrägen und spitz zulaufenden Flächen aus Glas, Stahl und Beton. So überrascht das Gebäude immer wie-der mit neuen Perspektiven. Der Entwurf zu dem außergewöhnlichen Bau stammt von dem Wiener Architekten Talik Chalabi. Das "darmstadtium" umfasst eine Gesamtfläche von 18.000 Quadratmetern - allein 13.000 davon entfallen auf den teilba-Hauptsaal, der mehr als 1.600 Personen Platz bietet. Eine Besonderheit ist auch die gelungene Kombination von Tradition und Moderne: Im Eingangsbereich sind Teile der mittelalterlichen Stadtmauer integriert.
Das "darmstadtium" spiegelt die Bedeutung Darmstadts als Wissenschaftsstadt. Und diesen Namen trägt Darmstadt zurecht - schließlich gehört die Wissenschaft zu den bedeutendsten Wirtschaftsfaktoren der Stadt: Nirgendwo sonst in Deutschland sind prozentual so viele Menschen in den Bereichen Forschung und Entwicklung beschäftigt. Einen sehr guten Ruf haben beispielsweise die Technische Universität und die Hochschule Darmstadt. Auch drei bedeutende Fraunhofer-Institute haben hier ihren Standort. Zwei weitere große Institutionen machen Darmstadt zur Hauptstadt der europäischen Raum- und Satellitenforschung. Und nun trägt das hochmoderne "darmstadtium" seinen wesentlichen Teil dazu bei, dass die Wissenschaftsstadt Darmstadt sich auch zu einer renommierten Kongressstadt entwickelt.
Die Mathildenhöhe ist die höchste Erhebung der Darmstädter Innenstadt. Im 19. Jahrhundert entstand dort eine Gartenanlage für den Hof des Großherzogs von Hessen-Darmstadt - benannt nach Mathilde Karoline von Bayern, der Gemahlin des damaligen Landesherrn. Berühmt geworden ist die Mathildenhöhe dann etwas später durch die Darmstädter Künstlerkolonie - als wegweisendes Zentrum des europäischen Jugendstils.
Die Gründung der Künstlerkolonie geht auf den hessischen Großherzog Ernst Ludwig zurück. Sein Leitspruch lautete: "Mein Hessenland blühe und in ihm die Kunst". Großherzog Ernst Ludwig berief im Jahr 1899 sieben junge und innovative Künstler nach Darmstadt - Maler, Architekten, Bildhauer und Kunsthandwerker. Prägend für die Künstlerkolonie wurde der österreichische Architekt Joseph Maria Olbrich. Die Künstler sollten auf der Mathildenhöhe zukunftsweisende Wohnbauten erschaffen, samt ihrer kompletten Inneneinrichtung, vom Möbelstück bis zum Teller. Diese "Musterhäuser" entstanden nach und nach in den Jahren bis 1914 und waren im Rahmen von vier großen Ausstellungen öffentlich zugänglich. In einigen dieser Bauten lebten die Künstler selbst. Die Häuser stehen teils heute noch, teils waren sie nur provisorische Ansichtsobjekte. Erhalten blieben mehrere Jugendstil-Villen nach Entwürfen von Joseph Maria Olbrich und das Haus von Peter Behrens, der als einer der führenden Vertreter des modernen Industriedesigns berühmt wurde.
Beeindruckend ist auch das zentral gelegene Ernst Ludwig-Haus mit den beiden Kolossalstauen am Eingang, dessen Name an den Gründer der Künstlerkolonie er-innert. Errichtet wurde der Bau zur ersten Ausstellung im Jahr 1901 nach Plänen von Olbrich, und zwar als gemeinschaftliches Atelier- und Festgebäude. Heute ist dort das "Museum Künstlerkolonie" zuhause, das die Geschichte dieser außergewöhnlichen Kunstinitiative erzählt - eine Geschichte, die gerade einmal 15 Jahre währte, denn der Ausbruch des Ersten Weltkriegs bedeutete auch das Ende der Darmstädter Künstlerkolonie.
Der Hochzeitsturm auf der Mathildenhöhe ist das weithin sichtbare Wahrzeichen von Darmstadt. Errichtet wurde der markante Backsteinbau 1905 - 1908 im Auftrag der Stadt, als Geschenk zur Erinnerung an die Hochzeit des damaligen Großherzogs Ernst Ludwig.
Der kunstliebende Landesherr hatte einige Jahre zuvor die berühmte Darmstädter Künstlerkolonie ins Leben gerufen. Die Architekten, Maler und Bildhauer schufen auf der Mathildenhöhe zahlreiche Jugendstilbauten samt Innenausstattung - und machten Darmstadt zu einem Zentrum des europäischen Jugendstils. Auch der Architekt des Hochzeitsturms - der gebürtige Österreicher Joseph Maria Olbrich - gehörte der Künstlerkolonie an.
Die originelle Gestaltung des Daches mit den fünf Bögen erinnert an eine ausgestreckte Hand - eine Idee, die wohl auf den Großherzog selbst zurückgeht. Die Darmstädter nennen den Bau daher gerne auch den "Fünf-Finger-Turm". In der vierten und fünften Etage befinden sich die Zimmer des Großherzogs und seiner Gemahlin. Sie werden heute als Trauzimmer des Standesamtes genutzt - ganz passend zur ursprünglichen Intention dieses ungewöhnlichen Bauwerks! Wie sehr sich die Darmstädter mit ihrem Hochzeitsturm identifizieren, zeigt auch, dass eine stilisierte Darstellung des Turmes seit 2006 als Symbol für die Hochschule Darmstadt steht. Der Hochzeitsturm besitzt auch eine Aussichtsplattform, von der man einen herrlichen Blick über Darmstadt und das Umland hat.
Neben dem Hochzeitsturm liegt das ebenfalls im Jahr 1908 entstandene Ausstellungsgebäude, das zentrale Bauwerk auf der Mathildenhöhe. Auch diesen Bau hat Joseph Maria Olbrich entworfen. In dem breit gelagerten Gebäude haben die Mitglieder der Künstlerkolonie ihre kunsthandwerklichen Arbeiten ausgestellt. Das Ausstellungsgebäude steht auf den Gewölben des Wasserreservoirs, das 1880 zur Wasserversorgung Darmstadts errichtet wurde.
Mit ihren drei vergoldeten Kuppeln prägt die Russische Kapelle seit über einhundert Jahren das Bild der Darmstädter Mathildenhöhe. Errichtet wurde der kostbar geschmückte Bau 1897 von einem Architekten aus Sankt Petersburg. In seinem Stil orientiert sich das historistische Bauwerk an russischen Kirchen des 16. Jahrhunderts. Der Auftraggeber für diese in unseren Breiten ungewöhnliche Kapelle war kein Geringerer als der russische Zar selbst. Der Grund: Nikolaus II. war mit Prinzessin Alix von Hessen-Darmstadt verheiratet. Bei Besuchen in der Heimat der Zarin wollte Nikolaus nicht auf ein eigenes Gotteshaus für seine Familie und den Hofstaat verzichten.
Ihre Funktion hat die Kirche bis heute behalten - noch immer finden dort orthodoxe Gottesdienste statt. Seit 1938 gehört die Darmstädter Kapelle zur Diözese des Orthodoxen Bischofs von Berlin und Deutschland und ist damit Teil der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland, die seit 1920 weltweit russische Emigranten betreut.
Den Bau der Kapelle hat Zar Nikolaus II. aus seinem Privatvermögen finanziert und dabei weder Kosten noch Mühe gespart. So steht die Kirche auf Erde, die man aus Russland nach Darmstadt transportiert hat. Auch der Marmor für den Sockelbereich des Gebäudes wurde eigens aus dem Kaukasus geliefert. Im Innern ist die Kapelle ebenfalls reich geschmückt, zum Beispiel mit einer Ikonostase - einer Bilderwand mit Ikonen - und mit Mosaiken.
Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die Russische Kapelle geschlossen. Alles, was aus Metall war, hat man damals beschlagnahmt - sogar die Kupferabdeckung des Daches und die Vergoldung der Kuppeln. Das hatte schwerwiegende Folgen, denn nun drang Regenwasser in das Gebäude ein. Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Kapelle weitere Schäden. In den folgenden Jahren behoben mehrere Renovierungen die schwersten Mängel. Eine umfassende und aufwändige Sanierung fand zuletzt bis 2008 statt. Heute erstrahlt die Kapelle wieder als ein wahres Kleinod russischer Kirchenbaukunst in Deutschland.
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